Voice Dialogue und Intrapsychische Systemarbeit

Voice Dialogue betrachtet die unterschiedlichen und oftmals gegensätzlichen Persönlichkeitsanteile als eigenständige Innere Personen, die an bestimmten Plätzen im Raum über wertfreies Annehmen tiefer verstanden werden können.

Die Inneren Personen, die bei Voice Dialogue untersucht werden, befinden sich in der Regel rechts, links oder zentral hinter dem Klienten.

Dieses Konzept der Inneren Personen und der respektvolle Umgang mit ihnen bildet die Grundlage der Intrapsychischen Systemarbeit.

Im Unterschied zu Voice Dialogue bezieht die IPS Innere Personen mit ein, die in einiger Entfernung VOR dem Klienten einschränkend auf ihn wirken und ihn unbewußt in einer permanenten Schutzhaltung gefangen halten. Bei jedem Klienten finden wir in diesem Energiefeld Innere Personen, die realitätsgetreu die verinnerlichten Eltern wiedergeben. Solange diese sogenannten Introjekte kritisch oder abweisend auf uns blicken, können wir uns nicht tiefer öffnen, sondern entwickeln bestimmte Reaktionshaltungen, die wir unbewußt immer wieder auf die Menschen projizieren, denen wir eigentlich nahe sein wollen.

Die Intrapsychische Systemarbeit richtet ihren Fokus auf die Schutzhaltung im Klienten. Diese verändert sich schrittweise, indem die Introjekte ihre leidvolle Geschichte wieder erinnern und ihre dadurch verständliche Schutzhaltung aufgeben.
In dem Energiefeld vor dem Klienten finden wir auch abgespaltene Persönlichkeitsanteile, die sich entweder vor den Introjekten zurückgezogen haben oder vom Klienten abgelehnt werden, weil sie mit der Schutzhaltung nicht vereinbar sind. Dabei handelt es sich meistens um einen der zwei Pole: Wille oder Bezogenheit. Wenn die Introjekte in Liebe und mit Respekt vor dem Eigenwillen des Klienten auf ihn blicken, fällt ein wesentlicher Grund für die Spaltung weg. Dem Klienten stehen nun beide Pole wieder zur Verfügung und erzeugen ein Gefühl von „ganz bei sich und gleichzeitig mit anderen verbunden sein“.

Um die Introjekte zu erlösen, beziehen wir deren Introjekte (Großelterngeneration) mit ein. Wir finden sie im Energiefeld hinter dem Klienten, also dort, wo Voice Dialogue die Inneren Personen aufsucht, die das Ich des Klienten bzw. sein Potential ausmachen.
Die Großeltern sind ein inneres Bild, das der Klient in sich trägt, weil er aus einer tiefen Verbundenheit mit den Eltern unbewußt deren Lebensgeschichte erfassen konnte. Die Intrapsychische Systemarbeit arbeitet mit diesen inneren Bildern, indem sich der Klient auf einen bestimmten Platz stellt und sich wie diese „Innere Person“ fühlt.
Der Begriff „Innere Person“ bezieht sich bei den Introjekten nur auf die Art und Weise, wie wir diese inneren Bilder bewußt machen und erlösen. Im Unterschied zu Voice Dialogue repräsentieren sie KEINE Persönlichkeitsanteile des Klienten.

Bei Klienten, die über Jahre mit Voice Dialogue an ihrem Prozess gearbeitet und sich dann auf Intrapsychische Systemarbeit eingelassen haben, konnte ich mehrfach eine interessante Feststellung machen: Innere Personen, die sich über Voice Dialogue zeigten und schwer anzunehmen oder tiefer zu führen waren, erwiesen sich nun als innere Bilder der Großelterngeneration oder als abgespaltener Teil der Eltern-Introjekte. Sie wurden dem Klienten fälschlicherweise als eigene Persönlichkeitsanteile zugeordnet.

Dies ist einer der Gründe, warum sich die Intrapsychische Systemarbeit ausschließlich auf eine Innere Person (als Teil ihres ICHs) bezieht, nämlich die, die jetzt vor uns sitzt und das momentane Icherleben des Klienten ausmacht. Wir geben ihr einen Platz hinter dem Stuhl, wobei der Stuhl für das Bewußte Ich steht, wie Hal und Sidra Stone – die Begründer von Voice Dialogue – diese Instanz bezeichnet haben.

Diese Innere Person hat vergessen, was sie abgespalten hat, und ist gleichzeitig in einer Reaktionshaltung gefangen. Sie verändert sich nach jeder Sitzung. Wir untersuchen nur diese Veränderung und richten den Fokus auf die Transformation der Introjekte und Integration der abgespaltenen Persönlichkeitsanteile.

Ich bin Hal und Sidra Stone und Artho Wittemann, einem ihrer Schüler, bei dem ich über mehr als 10 Jahre Voice Dialogue und Individualsystemik gelernt habe, zutiefst dankbar für all das Wissen, das sie mir vermittelt haben. Ohne sie hätte ich diese Methode nicht entwickeln können.